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Kroatische Kultur


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Wein und Schnaps


Natürlich kann man in Kroatien alles trinken, von einheimischem und importiertem Bier über Wasser und Cola bis hin zu Whisky und Rum. Eigentlich kennzeichnend für die Kultur kroatischer Getränke sind jedoch naturräumliche und kulturelle Umstände - Wein- und Obstanbau.

Wer von Kroatien redet und an Getränke denkt, meint zuallererst den Pflaumenschnaps (Šlivovic), der landesweit und auch im benachbarten Ausland vielfach gebrannt wird. Daneben gibt es in Weinbau- und Touristenregionen oft Loza, einen Tresterschnaps ähnlich dem italienischen Grappa. Beide stehen für eine weitverbreitete und im Volk verwurzelte Kultur des Schnapsbrennens - wobei nicht nur Trester und Pflaumen zum Einsatz kommen, sondern auch andere Früchte wie Aprikosen, Pfirsiche und Kirschen. Was man selten findet, sind Spirituosen aus Getreide oder Kartoffeln - zu groß ist die Geschmacksvielfalt des Obstes, als daß man auf solche Ausgangsstoffe kommen müßte.
Die kroatische Spirituosenindustrie bietet natürlich eine Fülle von Obstschnäpsen an - aber wer den Originalgeschmack haben will, nun, der besuche einfach einen normalen Markt oder traue sich, an einem der zahlreichen Häuser zu klopfen, an denen Rakija angepriesen wird. Keine Frage: In solchen Fällen ist aufzupassen - es gibt mehrere Qualitätsstufen. Aber wenn der Verkäufer in Ordnung ist, wird man das Objekt der Begierde probieren können und erst dann entscheiden, ob man kauft oder nicht. Ein kleiner Tipp: Hat man Loza erworben, sollte man ihn leicht gekühlt mit einer frischen Feige genießen - tausendmal besser als ein fertiger Wodka-Feige aus der Flasche. Und dazu vielleicht ein wenig Schinken?

Weinbauregionen gibt es in Kroatien etliche: In Istrien und Dalmatien, auf den Inseln, im Norden und in Slawonien, nicht zu vergessen die benachbarte Herzegowina. War bis vor einigen Jahren noch der eher massenhafte Ausbau vorherrschend, setzen sich jetzt immer mehr modern und qualitätsbewußt arbeitende Winzer durch, die den Reichtum der Reben in tolle Weine verwandeln. Dabei ist der Wein kein Feiertagsgetränk: Er gehört in vielen Regionen zum Alltag, sei es pur, sei es als Schorle (normalerweise mit dem guten alten deutschen Lehnwort Gemišt, sprich: Gemischt, bezeichnet).

Die meisten Regionen Kroatiens und der Herzegowina sind Anbaugebiete, in den Weißweine dominieren. Die meisten werden sortenrein ausgebaut. Als besonders typisch kann für Slawonien der Graševina (Welschriesling) gelten, der besonders in der Gegend um Kutjevo hervorragende Ergebnisse erzielt. In der Herzegowina dominiert der Lindenblättrige (Žilavka), ein eher leichter Wein. Ein klassischer Tischwein in den Küstenregionen ist der Malvazija, ebenfalls ein leichter Weißwein, der hervorragend zu Fischgerichten paßt. Hervorragende Rotweine gibt es in der Nähe von Dubrovnik (Dingač). Weit verbreitet unter den Rotweinen ist auch der Plavac.
Anders als beim Schnaps sollte man beim Kauf von Wein schon eher vorsichtig sein, will man auf dem Markt oder in Privathäusern oder -gehöften handelseinig werden. Guter kroatischer Wein hat seinen Preis - und den sollte man entweder in Fachgeschäften oder auf ausgewiesenen Weingütern entrichten.


Kroatische Küche


Gibt es überhaupt die kroatische Küche? Vermutlich nicht. Vielleicht ist es besser, von verschiedenen Küchen bzw. Kochtraditionen zu sprechen, nämlich von denen der einzelnen Regionen: In Slawonien ißt man anders als in Dalmatien und Istrien, in der Gegend von Zagreb anders als in der Krajina und in den kroatischen Teilen Bosnien-Herzegowinas. Die Nähe zu den Küchen benachbarter Länder fällt ebenso ins Auge wie die Anhängigkeit des Kochens von den Ressourcen, die Landwirtschaft und Natur bieten.

In Deutschland dürften die Gerichte der Küstengebiete und populäre Teile der bosnischen Küche am bekanntesten sein: Fisch und Meeresfrüchte aus Dalmatien und Istrien, dazu bosnische Fleischgerichte. Der sommerliche Badetourismus hinterläßt so seine Spuren. Eher unbekannt geblieben sind dagegen zahlreiche Leckereien aus anderen Gebieten oder solche, die eben nicht im Sommer, sondern in anderen Jahreszeiten gegessen werden.

Die Küchen Kroatiens leben von frischen und ausgereiften Produkten - wie die anderer Länder auch. Erst aromatisches Obst und Gemüse, Fleisch von vernünftig gehaltenen Tieren und frische Gewürze geben den Geschmack, den Einheimische und Touristen so schätzen. Das trifft auf alle Regionen zu, nicht nur auf die Küstenlandstriche. Will man also in Deutschland ein kroatisches Menü auftischen, ist die sorgfältige Auswahl aller Produkte das A und O.

Die dalmatinische Küche lebt vom Meer und den kargen Bergen an der Küste. Der absolute Renner bei allen Genießern sind gegrillte Fische und auf verschiedenste Art zubereitete Meeresfrüchte (Muscheln und Tintenfische). Wer kann, sollte unbedingt einmal den Ort Ston besuchen, an dem Austern gezüchtet und zu für Deutschland geradezu lächerlichen Preise frisch serviert werden. Ansonsten gilt der Grundsatz, daß Fische dreimal schwimmen müssen: Im Wasser, in Olivenöl und in Wein - und man könnte hinzufügen, noch ein viertes Mal, nämlich in ein wenig Zitronensaft. Was ißt man dazu? Frische Salate und eine interessante Mischung aus gedünstetem Mangold mit Kartoffel und Knoblauch.
Doch die dalmatinische Küche ist nicht nur Fisch: Auch Fleisch gehört dazu, im Ganzen gegrillte Lämmer ebenso wie natürlich der berühmte Schinken (pršut). Nicht zu vergessen die Oliven, frische Feigen vom Baum (nicht waschen!) und in Istrien Gerichte mit Trüffeln oder grünem Spargel.

Geht man von Dalmatien und Istrien aus weiter ins Landesinnere, trifft man auf die Küchen Nordwestkroatiens und der Herzegowina. In der Herzegowina dominieren gegrillte Fleischgerichte und Zusammenstellungen mit Gemüse. Wer jemals die Herzegowina besucht, sollte unbedingt die Mučkalica probieren - ein tolles Gulasch, das mit Reis oder Nudeln serviert wird. Nicht zu vergessen natürlich die Čevapčići (sprich: Tschewaptschitchi). In der Gegend von Zagreb macht sich der Einfluß der alten österreichisch-ungarischen k.u.k.-Monarchie bemerkbar - man fühlt sich beinahe in Böhmen oder der Steiermark.

Slawonien und namentlich die kroatische Baranja (nordöstlich von Osijek) wirken in ihren Kochgewohnheiten manchmal wie Ableger Ungarns. Kennzeichnend ist zum Beispiel das Gulasch, aber nicht zuletzt eine Vielzahl von Fischgerichten mit Welsen, Karpfen und Hechten aus den großen Strömen Drau, Save und Donau sowie aus dem Naturschutzgebiet Kopački Rit, einer Ansammlung zahlreicher Seen und Teiche. Am bekanntesten ist wohl die Fischsuppe, ein mit viel Paprika gewürztes Geschmackserlebnis ersten Ranges.

Rezepte zum Nachkochen:

Čevapčići: Etwas für den Grill.

Sarma: Kleine Kohlrouladen für den Winter.

Gefüllte Paprika: Gefülltes Gemüse - ein Klassiker.

Ajvar: Eine Paprikacreme zu Gegrilltem und zum Puressen.

Lepinja: Ein altes Brotrezept.

Palatschinken: Für den Nachtisch.

Pita: Eine Art Strudel - mal süß und mal herzhaft.









Musik


Klassische Musik, Jazz, Rock, Pop, Hiphop - Musik gibt es in Kroatien in allen Variationen. Nicht nur in Radio und Fernsehen, sondern oft auch life. Und das ist bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, daß das ganze Land weniger als fünf Millionen Einwohner hat, also gerade einmal etwas mehr als Berlin. Eigentlich macht schon die Musikszene Kroatien eine Reise wert.

Natürlich gibt es für die klassische Musik gewisse Zentren von hoher Qualität, vor allem die Oper in Zagreb. Dort werden Werke des gesamten abendländischen Repertoires aufgeführt, aber manchmal auch solche, die in anderen Ländern nahezu unbekannt, für das kroatische Selbstverständnis aber von immenser Bedeutung sind (z.B. die Oper Nikola Šubić Zrinski von Ivan Zajz). Auch neuere Strömungen der ernsten Musik habe ihre Chance: Das beste Beispiel ist der kroatische Präsident Josipović, der selbst als Komponist von sich reden machte.

Eigentlich bekannt ist die kroatische Musik aber für eine ganz andere Musikrichtung, nämlich die Mischung volkstümlicher Elemente mit Rock und Pop. Es gibt eine breite Szene von Interpreten, die diesen Ansatz verfolgen, von politisch bewegten Sängern wie Thompson bis zu Modesternchen wie Severina. Als Klassiker in diesem Bereich dürfte Mate Bulić gelten. Von der kulturell interessierten Intellektualität manchmal geschnitten, erzielen die Interpreten dieses Turbo-Folk-Rock immer wieder gewaltige Einschaltquoten in Fernsehen und Radio. Ein Live-Konzert dieser Art sollte man unbedingt einmal erlebt haben - sie finden im Sommer, aber auch sonst, landesweit immer wieder statt.

Eine ergreifende Besonderheit der kroatischen Musik- und Tanzkultur bilden die Sprechgesänge und Volkstänze. Die Sprechgesänge (Klape) offenbaren manchmal Lustigkeit, viel öfter aber die Schwermut alten dalmatinischen Lebens. Zu traditioneller Volksmusik wird oft in Kreisen getanzt, für Touristen manchmal in Tracht. Aber auch auf keiner kroatischen Hochzeit darf diese Art des Tanzes, der Kolo, fehlen.

Alltagskultur oder: Wie benimmt man sich?


Ist eine europische Kultur wie die andere? Schon ein oberflächlicher Blick wird lehren, daß dem nicht so ist. Am augenfälligsten ist die Mode, namentlich die der Damen: Praktisch gehaltene Kleidung, die in Deutschland weiblicherseits bevorzugt wird, gilt in Kroatien als unchic, als einfach schrecklich. Fraulichkeit bzw. Mädchenhaftigkeit ist angesagt - in jeder Lebenssituation: Am Strand, im Restaurant, zu Hause und in der Oper. Es gilt, die weiblichen Reize dezent zu betonen. Für Herren ist das System dagegen wesentlich toleranter.

Zum Leben der Kroaten gehört die Gastfreundschaft ebenso wie die Geselligkeit. Kommt man zu einer gastgebenden Familie, oder auch zum Wirt einer Ferienwohnung, gehört oft ein Willkommenstrunk dazu: Kaffee und meist ein Schnaps. Man sollte das annehmen - wenn nicht dringende Gründe, z.B. das Autofahren, dagegen sprechen.

Kroatien und seine Kultur sind ohne das Christentum katholischer Konfession undenkbar. Das hat Folgen für den Alltag und für Touristen. So ist es beispielsweise unangebracht, Kirchen in allzu knapper Kleidung zu besuchen. Und selbst am Strand machen sich religiöse Wertvorstellungen bemerkbar: Zwar gibt es, noch aus jugoslawisch- kommunistischer Zeit, eine Fülle von FKK-Stränden - von der einheimischen Bevölkerung werden die Besucher derselben aber schon etws komisch angesehen. Kaum einer der Gastwirte wäre froh, würde sein eigener Sohn oder seine eigene Tochter ohne Badebekleidung baden.

Kroatien ist ein Land, das erst vor wenigen Jahrzehnten zur Selbständigkeit gefunden hat - in einem langen Krieg und verbunden mit zahllosen Enttäuschungen. Deutschland hat die Souveränität Kroatiens als einer der ersten Staaten der Welt im Jahr 1991 anerkannt, und Deutschland war Verbündeter Kroatiens im Zweiten Weltkrieg und noch viel mehr: Kroatien gehörte zu Österreich-Ungarn bis 1918. All diese Aspekte veranlassen den politisch unbedarften kroatischen Landmann manchmal zu überschwenglichen Äußerungen zum deutsch-kroatischen Verhältnis, die man nicht überbewerten sollte.




Literatur und Film